
Ein Fenster in die Vergangenheit — Herford enthüllt seine Wurzeln
(KI) Mitten im Herzen der Stadt entsteht ein einzigartiger Erlebnisort: Das Archäologische Fenster am Münster macht über 1.200 Jahre Stadtgeschichte greifbar — und erzählt dabei auch von der Macht der Frauen im Mittelalter.**
Es gibt Städte, die ihre Geschichte verbergen — unter Asphalt, unter Beton, unter Jahrzehnten des Vergessens. Herford gehörte lange dazu. Dabei schlummert direkt neben der Münsterkirche, zwischen Rathaus und Berliner Straße, eines der bedeutendsten mittelalterlichen Bodenzeugnisse Westfalens: die Überreste des Reichsstifts Herford, eines karolingisch-ottonischen Frauenklosters, das einst zu den mächtigsten geistlichen Institutionen des Heiligen Römischen Reiches zählte. Seit dem 23. August 2025 ist dieses Erbe für jedermann zugänglich — als Archäologisches Fenster am Münster, kurz AFaM.
Die Idee: Bürgerinitiative mit historischem Weitblick
Das Projekt ist eine bürgerschaftliche Initiative, angestoßen vom Herforder Unternehmer und Mäzen Dieter Ernstmeier gemeinsam mit dem Verein für Herforder Geschichte. [Geschichtsverein-Herford](https://www.geschichtsverein-herford.de/projekte/archaeologisches-fenster-am-muenster) Ernstmeier, der die kulturelle Bedeutung des Bodendenkmals früh erkannte, legte den Grundstein nicht nur im übertragenen Sinne: Bereits 2018 wurde eine Finanzierungsvereinbarung zwischen der Stadt Herford, der Dieter-Ernstmeier-Stiftung und dem Geschichtsverein unterzeichnet. [Westfalen-Blatt](https://www.westfalen-blatt.de/owl/kreis-herford/herford/archaeologisches-fenster-damenstift-bauarbeiten-fortschritt-eroeffnung-datum-3253267) Seine Stiftung sicherte dem Projekt eine Förderung von 1,7 Millionen Euro zu — und übernahm zudem die Betriebskosten für zehn Jahre. Nach Ernstmeiers Tod wurde das Vorhaben durch sein Vermächtnis weiter getragen, ein seltenes Beispiel bürgerschaftlichen Mäzenatentums in der deutschen Kulturlandschaft.
Was unter den Füßen der Herforder liegt
Anlässlich des 1200-jährigen Bestehens der Stadt Herford im Jahr 1989 wurden im Bereich um das Rathaus, die Wolderuskapelle und die Münsterkirche umfangreiche Grabungen durchgeführt, die Aufschlüsse über die Geschichte des ehemaligen Frauenklosters, später Damenstiftes, hervorbringen sollten. [Ulrich-hermanns](https://www.ulrich-hermanns.de/Projekte/Herford-Archaeologisches-Fenster-am-Muenster.html) Geleitet wurden diese Ausgrabungen von dem Archäologen Matthias Wemhoff, der heute als Landesarchäologe in Berlin und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte tätig ist. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Freilegung und Erhaltung von umfangreichen Baustrukturen aus dem 10. und aus dem 13. Jahrhundert. [Ulrich-hermanns](https://www.ulrich-hermanns.de/Projekte/Herford-Archaeologisches-Fenster-am-Muenster.html)
Mehr als 200 Funde holte Wemhoff in den 1990er-Jahren aus dem Boden an der Münsterkirche. [Westfalen-Blatt](https://www.westfalen-blatt.de/owl/kreis-herford/herford/archaeologisches-fenster-damenstift-bauarbeiten-fortschritt-eroeffnung-datum-3253267) Doch das Ausgegrabene verschwand danach im Depot — für Jahrzehnte aus dem öffentlichen Blick. Das AFaM soll das nun ändern, dauerhaft und für alle.

Ein Stift, das Geschichte schrieb
Das Damenstift Herford hatte eine herausgehobene Geschichte seit 823 als Reichsstift und konnte diese Stellung unter der Führung der Äbtissinnen durch das ganze Mittelalter bewahren. Die Äbtissin von Herford war die einzige Frau, die einen festen Sitz im Reichstag innehatte. [Ulrich-hermanns](https://www.ulrich-hermanns.de/Projekte/Herford-Archaeologisches-Fenster-am-Muenster.html)
Im Herforder Frauenstift wurde durch die Verbindung zweier großer sächsischer Familien die Grundlage des ottonischen Reiches gelegt. Herforder Äbtissinnen waren international vernetzt; sie wirkten als Gründerinnen von Klöstern und Städten und realisierten einen der mächtigsten Sakralbauten des Hochmittelalters. [Geschichtsverein-herford](https://www.geschichtsverein-herford.de/projekte/archaeologisches-fenster-am-muenster) Eine ihrer bekanntesten Bewohnerinnen war Elisabeth von der Pfalz, eine der bedeutendsten Intellektuellen des 17. Jahrhunderts, die im Herforder Reichsstift wirkte. [Geschichtsverein-herford](https://www.geschichtsverein-herford.de/projekte/archaeologisches-fenster-am-muenster) Das AFaM erzählt damit auch eine Geschichte der weiblichen Macht — in einer Epoche, in der Frauen politische Gestaltungskraft selten zugebilligt wurde.
Architektur als Brücke zwischen den Zeiten

Das AFaM ähnelt einem Gebäude aus dem Jahr 926 an gleicher Stelle. Das zweigeschossige Gebäude bildet eine Schutzhülle für die Originalmauern, die wieder freigelegt werden, wenn das Gebäude steht. Zusätzlich wird der Kreuzgang des Klosters wiederhergestellt. [Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Arch%C3%A4ologisches_Fenster_am_M%C3%BCnster) Die Planung übernahm das Architekturbüro P/E/P Architekten und Stadtplaner GmbH aus Münster.
Das Hauptgebäude mit seinem markanten, steilen Dach beeindruckt nicht nur von außen, sondern auch im Inneren. Im Eingangsbereich sind Mauerreste des ehemaligen Klosters sichtbar. [Westfalen-Blatt](https://www.westfalen-blatt.de/owl/kreis-herford/herford/archaeologisches-fenster-damenstift-bauarbeiten-fortschritt-eroeffnung-datum-3253267) Im Obergeschoss präsentiert eine Ausstellung Repliken der Grabungsfunde sowie Projektionen zur Stadtgeschichte. Zur Erinnerung an die 45 Äbtissinnen des Damenstifts werden deren Namen und Lebensdaten im Treppenhaus auf den Betonwänden abgebildet. [Westfalen-Blatt](https://www.westfalen-blatt.de/owl/kreis-herford/herford/archaeologisches-fenster-damenstift-bauarbeiten-fortschritt-eroeffnung-datum-3253267)
Das AFaM ist ein interaktives und begehbares Fenster in die Vergangenheit. In zwei Gebäuden wird die Geschichte der Herforder Fürstabtei im Mittelalter durch archäologische Funde und innovative Techniken erlebbar gemacht. [Archaeologisches-fenster](https://archaeologisches-fenster.de/) Der Eintritt ist kostenlos — ein bewusst niedrigschwelliges Angebot.

Finanzierung: Ein Kraftakt für die Stadtgemeinschaft
Für das AFaM wurden insgesamt rund 4,4 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Land NRW, Stiftungsgeldern und weiteren Drittmitteln bereitgestellt. Der Eigenanteil der Stadt beläuft sich auf etwa 2,4 Millionen Euro. [Westfalen-Blatt](https://www.westfalen-blatt.de/owl/kreis-herford/herford/archaeologisches-fenster-damenstift-bauarbeiten-fortschritt-eroeffnung-datum-3253267) Insgesamt kostet das Archäologische Fenster rund 6 Millionen Euro. [Radio Herford](https://www.radioherford.de/nachrichten/kreis-herford/detailansicht/foerderurkunde-fuer-herfords-archaeologisches-fenster-ist-da.html) Im Herbst 2024 wurde durch aufwendigeren Innenausbau eine Kostensteigerung von rund einer halben Million Euro erkennbar — die Stadt rief daraufhin zu einer Bürgerfinanzierungskampagne auf. Zusätzlich erhielt die Stadt im April 2023 aus dem NRW-Förderprogramm „Heimat-Zeugnis“ einen Bescheid über 400.000 Euro für das Projekt. [Stadt Herford](https://www.herford.de/spatenstich)
Eröffnung: Ein Fest für die Stadtgeschichte
Am 23. und 24. August 2025 feierte die Stadt Herford die offizielle Einweihung des Archäologischen Fensters am Münster mitten im Herzen von Herford. [Herford](https://herford-erleben.herford.de/Familienfest-und-Einweihung-des-AFaM/) Das Programm umfasste Live-Musik, Ausgrabungen für Kinder und Stadtführungen — komplett kostenfrei an beiden Tagen. [Herford](https://herford-erleben.herford.de/Familienfest-und-Einweihung-des-AFaM/) Bürgermeister Tim Kähler fasste die Bedeutung des Moments treffend zusammen: „Es geht um die Geschichte der Stadt Herford im Mittelalter, die wir mit dem AFaM erlebbar und begreifbar machen wollen. Daraus können wir lernen und darauf können wir stolz sein.“ [Stadt Herford](https://www.herford.de/spatenstich)
Das Archäologische Fenster am Münster ist mehr als ein Museum. Es ist ein Ort, an dem eine Stadt ihren Ursprung berührt — und sich dabei selbst neu entdeckt.
Zeitlicher Ablauf: Das Archäologische Fenster am Münster
| Jahr / Zeitraum | Ereignis |
| 823 n. Chr. | Gründung des Reichsstifts Herford als Frauenkloster |
| 10.–13. Jh. | Blütezeit des Stifts; Errichtung bedeutender Klausurgebäude |
| 17. Jh. | Elisabeth von der Pfalz wirkt als Äbtissin im Reichsstift |
| 1988–1990 | Umfangreiche archäologische Ausgrabungen unter Leitung von Matthias Wemhoff anlässlich des Stadtjubiläums |
| 1993 | Veröffentlichung der wissenschaftlichen Grabungsergebnisse in drei Bänden |
| 2016 | Vorstellung einer Machbarkeitsstudie; Grundsatzentscheid des Stadtrats für das AFaM |
| 2018 | Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt, Dieter-Ernstmeier-Stiftung und Geschichtsverein |
| November 2022 | Förderzusage der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien in Höhe von 1,575 Mio. Euro |
| April 2023 | NRW-Förderbescheid „Heimat-Zeugnis“ über 400.000 Euro |
| 21. Juli 2023 | Symbolischer Spatenstich für das AFaM |
| August 2023 | Grundsteinlegung |
| Oktober 2024 | Bekanntwerden von Kostensteigerungen (~500.000 Euro); Start einer Bürgerfinanzierungskampagne |
| 23./24. August 2025 | Feierliche Eröffnung des AFaM mit großem Familienfest |